Therapieende

Es lässt sich nicht leugnen: Der Abschied passiert wirklich. Auf meinem Schreibtisch liegt das Buch, das ich meiner Therapeutin schenken möchte, in der Hoffnung, dass sie Kindern daraus vorliest und sich diese genauso aufgefangen und sicher fühlen, wie ich es getan habe. Da war der vorletzte Termin am Dienstag, der Blick in ihren Augen, die … Weiterlesen Therapieende

Schutz gegen Ankommen

Seit Tagen habe ich die leere Seite geöffnet - und schaue gekonnt weg, denn schreiben bedeutet, dass ich mir automatisch die Frage stelle, was gerade eigentlich in mir vorgeht, was ich fühle. Ich kann kaum atmen. Ich schalte den Fernseher an und wieder aus. Fahre den Laptop hoch und wieder herunter. Blicke auf mein Handy … Weiterlesen Schutz gegen Ankommen

Nachts

"Schläfst du?", flüstere ich in den Hörer. Als die Lieblingsfreundin nicht antwortet, lege ich auf. Ich hätte ins Bett gehen sollen, als sie sich hingelegt hat. Um jetzt nicht allein sein zu müssen. Stattdessen liege ich auf dem Teppich und weine. Vor diesem Moment habe ich mich gefürchtet - diesem Gefühl, den Abend, die Nacht … Weiterlesen Nachts

Es braucht Zeit

"Es braucht Zeit", sind die Worte der Therapeutin aus der Klinik. Die Akzeptanz, dass der Heilungsprozess dauert, dass es sehr wahrscheinlich nicht der letzte stationäre Aufenthalt ist und erst recht nicht die letzte Krise, schwankt. In manchen Stunden fühlt es sich okay an, dass ich in fünf Tagen entlassen werde und weiß, dass längst nicht … Weiterlesen Es braucht Zeit

Der letzte Tag im Januar

Es ist der letzte Tag im Januar. Wie seltsam. Die Zeit rennt - und gleichzeitig fühlt es sich so an, als wäre sie so zäh wie Kaugummi. Als würde ich mich gar nicht bewegen können. In acht Tagen werde ich zweiundzwanzig - und ich kann die Zahl kaum greifen, fühle ich mich doch die meiste … Weiterlesen Der letzte Tag im Januar

Das Jahr 2020

Ich scrolle durch die Bilder des vergangenen Jahres und überlege, auf welcher Art und Weise ich dem Jahr 2020 begegnen möchte. Sofort stellt sich Sprachlosigkeit ein - sofort fühle ich mich, als würde meine Kehle zugeschnürt sein. Weil sich dieses Jahr nicht in Worte fassen lässt, weil es mir unmöglich erscheint, auszudrücken, wie es mir … Weiterlesen Das Jahr 2020

Stattdessen

Statt Weihnachten in meiner Wohnung zu verbringen, das erste Weihnachten mit den Katzen, sitze ich weinend auf einem Krankenhausbett und werde von einer Mitpatientin gefragt, ob man mir etwas Gutes tun könne. Seit zwei Wochen bin ich in einer Klinik. Die Katzen sind bei der Lieblingsfreundin, ich habe sämtlichen Dozenten geschrieben, dass ich im Krankenhaus … Weiterlesen Stattdessen

Wiederholung

Dezember. Vorweihnachtszeit. Das Ende des Jahres. Eine Zeit, in der ich ganz automatisch zurückblicke und in Frage stelle, ob sich etwas verändert hat. Ich lese alte Blogeinträge aus den Dezembermonaten der vergangenen Jahre - seltsamerweise waren es in den vergangenen beiden Jahren jeweils zwei, ziemlich zum Ende des Monats - und erkenne mich noch immer … Weiterlesen Wiederholung

Substanzlos

Es fühlt sich so an, als könnte man mir nicht mehr helfen - es gibt keine Worte, die es leichter machen. Der Zustand jetzt erinnert mich so sehr an die Klinik - als ich nicht um Hilfe gebeten habe, weil ich wusste, es gibt keine Maßnahmen, die mir helfen können, sondern nur ein Mit-mir-aushalten, ein … Weiterlesen Substanzlos

Gut gemeint

"Man hat die Aufregung gar nicht in Ihrer Stimme gehört", sagt meine Betreuerin zu mir, nachdem ich aufgelegt habe. Ich habe in einer Rechtsanwaltskanzlei angerufen, nachdem ich keine Gründe nennen konnte, warum ich diesen Anruf länger vor mir herschieben könnte. Die Überlegung, nicht noch eine zusätzliche Belastung zum Tod meines Großvaters sein zu wollen, ließ … Weiterlesen Gut gemeint